Alltag in Deutschland – Rechte Gewalt im April 2009. Eine (unvollständige) Auflistung


Mut gegen rechte Gewalt – Amadeu Antonio Stiftung

20.04. Dresden
Am Morgen des Hitler-Geburtstages entzündeten unbekannte TäterInnen im Hof der Robert-Matzke-Straße 16 zwei Mülltonnen, die sich direkt am Wohnhaus befanden. Dabei wurde in Kauf genommen, dass das Feuer auf das Wohnhaus übergreifen könnte, in dem zu dieser Zeit mehrere Menschen geschlafen haben. Die BrandstifterInnen hinterließen an der Hauswand einen Aufkleber mit der Aufschrift „Organisiert die Anti-Antifa! Good Night Left Side“. Die Feuerwehr musste ausrücken um das Feuer zu löschen.
In der Nacht zum 04.04.2009 haben Unbekannte die Frontscheiben eines Fahrzeuges zerschlagen, das sich auf dem Hof des Wohnprojektes befand. An den Wochenenden im März und April zogen an den Wochenendnächten wiederholt kleinere Gruppen von Neonazis an der Robert-Matzke-Straße vorbei und riefen antisemitische und andere rechtsextreme Parolen.

19.04. Jüterborg
Zwei Vietnamesen sind von vier Männern gejagt und angegriffen worden.Die 18 und 24 Jahre alten Opfer wurden leicht verletzt. Die Vietnamesen wurden zunächst am Bahnhof beleidigt und mit einem Auto verfolgt. Dann stoppten die Täter die Opfer, schlugen sie und riefen rechtsextreme Parolen. Als Polizei eintraf, flüchteten die Opfer. Die Angreifer zerschlugen daraufhin Gehwegplatten und warfen den Flüchtenden Bruchstücke hinterher. Zwei der Täter verfolgten die Vietnamesen, wobei einer ein Messer zog. Die beiden anderen Angreifer flüchteten mit einem Auto. Kurz darauf wurden zwei Männer (23, 24) vorläufig festgenommen; gegen sie wird Haftbefehl beantragt. (Berliner Morgenpost)

16.04. Meißen
Am Eingang zu einem Aufstieg zur Albrechtsburg, den sogenannten Amtsstufen, hat ein unbekannter Täter ein blaues Hakenkreuz aufgemalt. (RAA Sachsen)

16.04. Kamenz
Nazi- Schmierereien an Radbrücke und Kirche in der Talstraße. Der Staatsschutz ermittelt zu mehreren Sachbeschädigungen mittels Graffiti an Objekten in Kamenz und Umgebung. Dies bestätigte jetzt der stellvertretende Polizeirevierleiter in Kamenz, Ulrich Knöpfle. So sei bereits in der vergangenen Woche ein ausländerfeindlicher Schriftzug an der Fußgänger- und Radlerbrücke zwischen Kamenz und Nebelschütz entdeckt worden. Des Weiteren wurde nach Ostern die Beschmierung der katholischen Kirche in der Talstraße in Kamenz angezeigt. Sie war erst vor den Feiertagen auch äußerlich saniert wieder übergeben worden. Bereits in der ersten Nacht, nachdem das letzte Gerüst gefallen war, haben Unbekannte die Worte „Sieg heil“ an die Kirchenwand geschmiert. (RAA Sachsen)

15.04. Berlin-Marzahn
Eine Frau wird gegen 1 Uhr 40 von zwei Männern in der Straßenbahn Linie M8 rassistisch beleidigt. Als die 18- und 19-jährigen Männer sie und ihren Begleiter schlagen wollen, greifen zwei Zivilbeamte ein und nehmen die Angreifer an der Haltestelle Jan-Petersen-Straße fest. Die Beamten hatten die Beiden in die Straßenbahn begleitet, nachdem ein Anwohner die Polizei alarmiert hatte, weil die Männer in der Mehrower Allee Plakate der Linkspartei abgerissen hatten. (Reach Out)

14.04. Jena
Eine Gruppe von 15 Rechtsextremen hat zwei Punker Punks überfallen und einen von ihnen schwer verletzt. Das Opfer musste mit einem Armbruch und Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. (MOBIT)

14.04. Trebsen
An zwei Briefkästen ausländischer Geschäftsinhaber klebten Unbekannte in der Nacht Aufkleber mit ausländerfeindlichen Parolen. (RAA Sachsen)

11.04. Neugersdorf
Beim Spiel FC Oberlausitz Neugersdorf gegen den VFC Plauen wurden am Einlass des Gästezugangs zwei eingeritzte Hakenkreuze sowie „ein Spruch mit politisch motiviertem Inhalt“ gefunden. (RAA Sachsen)

10.04. Jena
Etwa 40 Rechtsextreme waren an einer Auseinandersetzung mit 20 Angehörigen der linken Szene beteiligt, die durch ein Polizeigroßaufgebot beendet werden konnte. (MOBIT)

10.04. Groitzsch
Nach einem nächtlichen Vorfall am späten Karfreitag in Groitzsch hat der Staatsschutz der Polizeidirektion Westsachsen Ermittlungen aufgenommen. Ein Inder, Pizzeriabetreiber in der Südstraße in Groitzsch, war verletzt worden. Ermittlungen zufolge befanden sich am Karfreitag gegen 22.30 Uhr acht bis zehn Jugendliche in der Südstraße. Zur fraglichen Zeit hatten unbekannte Täter ein vor dem Grundstück abgestelltes Auslieferfahrzeug der Pizzeria beschädigt. Als der Geschädigte aus dem Fenster schaute, schlug ihm ein Täter eine offene Bierflasche auf die Stirn. Er hatte sich Polizeiangaben zufolge zuvor am Fenster (Hochparterre) hochgehangelt. Ein zweiter Täter hatte darüber hinaus eine verschlossene Bierflasche durch das geöffnete Fenster geworfen. Dabei wurde niemand verletzt. Nach Angaben der Polizei erlitt der Inder eine Platzwunde am Kopf, die ambulant behandelt werden musste. (RAA Sachsen)

09.04. Burgstädt
Unbekannte warfen mit zwei Steinen eine Fensterscheibe des Parteibüros „Die Linke“ auf der Goethestraße ein. Offenbar stammen die Steine aus dem nahen Gleisbett. Die Reparatur des Schadens wird schätzungsweise 350 Euro kosten. (RAA Sachsen)

08.04. Berlin-Hellersdorf
Nutzer des AJZ Kita in Hellersdorf werden durch drei Neonazis bedroht. Unter neonazistischen Parolen und antisemitischen Beschimpfungen fordern zwei Männer und eine Frau die Nutzer auf, das Gebäude zu verlassen und die gewalttätige Konfrontation mit diesen zu suchen. Die Neonazis konnten erst durch die herbeigerufene Polizei vom Grundstück entfernt werden. (Reach Out)

05.04. Roßwein
Zu einer Körperverletzung zwischen mehreren Personen kam es am gegen 03.15 Uhr. Zwei junge Frauen (24/22) und ein junger Mann (17) liefen gerade die Döbelner Straße entlang, als sie von mehreren bekannten Personen angegriffen wurden. Bei der Auseinandersetzung erlitt der 17-Jährige einen Fingerbruch, die 24-Jährige trug ein Hämatom davon. Warum die Gruppe die Drei angriff, wird noch ermittelt. Ein politischer Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden. (RAA Sachsen)

05.04. Berlin-Charlottenburg
Mehrere Unbekannte beleidigten heute Mittag zwei Männer in Charlottenburg und schlugen auf sie ein. Der 42-Jährige befand sich gegen 12 Uhr mit seinem 38-jährigen Freund in einem Schnellrestaurant in der Kantstraße, als fünf junge Täter die beiden homosexuellenfeindlich beleidigten. Als sich der Jüngere dagegen wehrte, schlugen und traten die Unbekannten ihre Opfer. Anschließend flüchteten die Täter in Richtung U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße. Der 42-Jährige erlitt Schwellungen, Schürfwunden und Hämatome im Gesicht, sein jüngere Freund erlitt Prellungen und Schürfwunden am Oberarm. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. (Polizei Berlin)

04.04/05.04. Berlin
Die Polizei hat am Wochenende zwei rassistische Beleidigungen in Marzahn und Friedrichshain registriert. Eine 28 Jahre alte Frau und ein 41-jähriger Mann wurden wegen ihrer dunklen Hautfarbe angegriffen. In beiden Fällen ermittelt der für politisch motivierte Taten zuständige polizeiliche Staatsschutz. Die 28-Jährige geriet am Samstag in einem Marzahner Park mit einer Gruppe Kinder und Jugendlicher aneinander. Ein 13-Jähriger beleidigte die Frau. Daraufhin kam es zu einer Rangelei. Der 41 Jahre alte Mann wurde am frühen Samstag in einer Diskothek beleidigt und angegriffen. Noch an demselben Tag erstattete er Anzeige. (DPA)

04.04. Berlin-Friedrichshain
In einer Diskothek in der Straße Am Wriezener Bahnhof wird ein Mann rassistisch beleidigt. Als der 41-Jährige den Club verlassen will, bedroht ihn der unbekannte Täter und versucht mehrfach ihn zu schlagen. (Reach Out)

03.04. Berlin-Marzahn
In einer Grünanlage in der Joachim-Ringelnatz-Straße wird eine 28-jährige Frau, die in Begleitung einer Freundin ist, von einem 13-Jährigen, aus einer Gruppe von 12- bis 15-Jährigen heraus, rassistisch beleidigt. Nach einer kurzen Rangelei verlassen die Frauen die Grünanlage, um die Polizei zu rufen. Dabei wird der 28-Jährigen ein Stein hinterher geworfen, der sie am Kopf trifft und leicht verletzt. (Reach Out)

04.04. Berlin-Friedrichshain

In einer Diskothek in der Straße Am Wriezener Bahnhof wird ein Mann rassistisch beleidigt. Als der 41-Jährige den Club verlassen will, bedroht ihn der unbekannte Täter und versucht mehrfach ihn zu schlagen. (Reach Out)

03.04. Arnstadt
Etwa 40 Anhänger der rechten Szene haben am Freitagabend in Arnstadt eine Veranstaltung über die vor einigen Tagen verbotene “Heimattreue Deutsche Jugend” (HDJ) gestört. Sie betraten gegen den Willen der Veranstalter den Saal der Arnstädter Musikschule, in dem dsie Journalistin Andrea Röpke ihren Vortrag ŽFerien im Führerbunker – die neonazistische Kindererziehung der HDJ” halten wollte. Die Polizei brauchte zwei Stunden, um genügend Kräfte zusammenzuziehen, um das Hausrecht durchzusetzen. Unter den Nazis waren sowohl HDJ-Funktionäre als auch NPD-Mitglieder und regionale Gruppen aus Südthüringen. Gegen alle wurde Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet, drei wurden zeitweilig in Gewahrsam genommen. Mit gut zweistündiger Verspätung fand die Veranstaltung dann doch noch statt. Die Veranstalter kritisierten, dass die Polizei trotz vorheriger Absprachen nicht auf die Sicherung der Veranstaltung vorbereitet gewesen sei. Die HDJ war erst in der vergangenen Woche verboten worden. (Thüringer Allgemeine)

02.04. Paulsdorf
An die Wände einer Buswartehalle an der Talsperrenstraße in Paulsdorf schmierten Unbekannte mit schwarzer Farbe mehrere Hakenkreuze. Außerdem fanden die zum Ort gerufenen Beamten SS- Runen und den Schriftzug “Sieg Heil” vor. (RAA Sachsen)

01.04. Bad Lobenstein
Ein 24-jähriger Mann aus Bad Lobenstein wird zu 13 Monaten Haft verurteilt, nachdem er auf einem Dorffest unvermittelt einen Passanten zusammengeschlagen und schwer verletzt hatte. Der Täter zeigte vor seiner Tat u.a. ein Wehrmachts-Tattoo mit Hakenkreuz auf seinem Arm. (Ostthüringer Zeitung)

01.04. Luckenwalde
Das Auto eines Gastwirts aus Bangladesch wird angezündet und brennt nahe seines Wohnhauses komplett aus. Durch Glück wird niemand verletzt. Das Opfer vermutet einen ausländerfeindlichen Hintergrund der Tat. (Märkische Allgemeine)

01.04. Stolpen
In Stolpen tranken am 01.04. drei Jugendliche (m/15,16,16) am Vormittag im Bereich der Bushaltestelle “Pfarrfelder” über einen längeren Zeitraum hinweg Alkohol. Anschließend liefen sie in Richtung Stadtmitte. Dort zeigten sie Passanten den Hitlergruß, ein 69-jähriger Zeuge rief die Polizei. Selbst das Auftauchen der Beamten konnte die Drei nicht von ihrem Tun abhalten. Als die Beamten die Jugendlichen auf der Bischofswerdaer Straße stellten, zeigte einer von ihnen den Hitlergruß und rief “Deutsch und National”. Gegen das Trio ermittelt jetzt der Staatsschutz. (Polizei)

Quelle: http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/gewaltchronik-2007-8/
Quellenangaben zu den einzelnen Meldungen am Ende des Abschnitts in Klammern

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