Die virtuelle Welt als Showroom für afrikanische Kunst


Der Vertrieb von Kunst via Internet, die virtuelle Welt als Showroom für afrikanische Kunst – ein innovatives Geschäftsmodel oder schwieriges Terrain? Die Frankfurter Galeristin Nana Amoah / MyAfricanPainting.de ieht nach einem halbe Jahr eine erste Bilanz und erläutert ihre Strategie für das Krisenjahr 2009.

Frau Amoah, Sie sind jetzt ein halbes Jahr am Markt. Wie läuft es?
Wir können zufrieden sein. Dennoch ist es für ein reines Internet-Angebot nicht gerade einfach, bekannt zu werden. Dazu kommt, dass die virtuelle Welt im Grunde nicht das ideale Medium für afrikanisch inspirierte Kunst ist. Sie will sinnlich erlebt werden!

Heißt das, dass sich Ihre Erwartungen nicht erfüllt haben und Sie sich mit MyAfricanPainting.de aus der online Welt verabschieden wollen?
Nein, ganz und gar nicht. Nur braucht der virtuelle Ansatz eben mehr Zeit. Auch wenn es noch Spielraum nach oben gibt, hat sich gezeigt, dass das preisgünstige Angebot sehr gut angenommen wird. Hinsichtlich der Featured Artist wollen wir zukünftig noch mehr machen. Die Werke von Nii Kptenkple waren schnell vergriffen. Außerdem werden wir zukünftig verstärkt auf flankierende off-line Aktivitäten setzen.

Wie viele Bilder haben Sie seit dem Marktstart verkauft?
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Eines ist jedoch klar geworden. Die typischen Motive wie Elefanten und Löwen sind die Renner. Und auch solche, die vorwiegend das traditionelle Afrika darstellen. Ursprünglich wollten wir weniger in diese Richtung gehen. Doch gibt es in Deutschland eine sehr starke Konnotation zwischen Afrika und Savanne bzw. den Menschen und Tieren, die dort leben. Das ist auch okay so. Soll aber nicht heißen, dass wir abstrakte Themen und Motive zukünftig nicht gleichrangig anbieten würden. Übrigens haben wir auch eine Online-Befragung zu diesem Thema durchgeführt, die unsere Erfahrung widerspiegelt: 80% der Interessenten für afrikanische Gemälde wünschen sich noch mehr Bilder im traditionellen, figurativen und naiven Stil, 15% bevorzugen Bilder, die das moderne Afrika repräsentieren und weitere 5% bekunden großes Interesse an solchen, die ihren Ausgangpunkt im spirituellen Bereich haben.

Was werden Sie am häufigsten gefragt in Bezug auf My African Painting?
Das ist ganz klar die Preisfrage: Wie können Sie handgemalte Bilder so günstig anbieten? Sind das nicht doch Drucke?

Und was antworten Sie?
Keine Drucke. Jedes einzelne Bild ist in Öl auf Leinwand handgemalt. Was den Preis angeht, so gibt es dafür zwei ganz entscheidende Faktoren: 1. Wir haben kein teures Ladenlokal und 2. kaufen wir direkt bei den Künstlern und bauen auf kontinuierliche Zusammenarbeit. Auch gehen wir den Künstlern gegenüber regelmäßig in Vorkasse, so dass wir im Einkauf sehr gute Preise erzielen können.

Was bleibt bei den Künstlern hängen? Wenn ich sehe, dass handgemalte afrikanische Gemälde bereits ab 24 Euro angeboten werden, kann das sicherlich nicht gerade viel sein, oder?
Es kommt immer darauf an aus welcher Perspektive man das betrachtet. Wenn Sie das monatliche Durchschnittseinkommen in vielen Ländern südlich der Sahara in Relation setzen, können Sie dennoch davon ausgehen, dass der Preis, den wir im Einkauf zahlen substanziell zum Lebensunterhalt der Künstler beiträgt.

Wie lässt sich die Kunst bei http://www.MyAfricanPainting am besten beschreiben?
Die Klammer um das gesamte Angebot bildet das Thema Afrika. Alle Gemälde sind entweder direkt durch Afrika oder aber über die afrikanische Diaspora inspiriert. Technisch gesehen handelt es sich bei den meisten Exponaten um Unikate hoher Qualität, die dabei absolut erschwinglich bleiben.

Was genau muss ich mir unter einem Unikat vorstellen?
Es ist ein Einzelstück. Häufig handelt es sich um eine Adaption eines bekannten Motives bzw. Themas. Ein Künstler der handwerklich ansprechend aber gleichzeitig kostengünstig produzieren will, braucht nicht jedesmal aufs Neue alle Kraft in den kreativen Prozess legen. Die Motive werden wiederholt verwendet. So fließt die ganze Energie in die künstlerische Umsetzung.

Sind populäre Motive nicht hinsichtlich der Copyright problematisch?
Nein, denn dadurch, dass die Bilder niemals versuchen eine 1:1 Kopie eines bekannten Kunstwerkes zu sein, entfällt diese Problematik. Darüber hinaus sind die Bilder signiert und zwar von den Künstlern, die sie gemalt haben und nicht etwa mit Picasso oder Edward Hopper.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Wir wollen unser Angebot kontinuierlich ausbauen und werden dabei auch zukünftig auf Unikate setzen. Darüber hinaus wollen wir auch verstärkt Künstler featuren, die durchaus in einem höheren Preissegment angesiedelt sind.

Welchen Einfluss hat die allseits diskutierte Wirtschaftskrise auf den Kunstmarkt und speziell auf das Geschäft mit afrikanischen Gemälden?
Ja, man hört vielfach, dass die Konsumneigung nachlässt. Auch Luxusgüter sind dem Vernehmen nach betroffen. Dennoch, afrikanische Gemälde haben ihren Markt, und zwar weitestgehend unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage. Das hat zunächst den Grund, dass wir bei MyAfricanPainting.de die Preise so gestalten, dass sie für jeden Geldbeutel erschwinglich bleiben. Darüber hinaus bin ich der festen Überzeugung, dass Kunst zu den Grundbedürfnissen zählt. Aus meiner Sicht ist das eine ganz wichtige Errungenschaft der Menschheit, die sie auch in wirtschaftlich schwieriger Lage nicht über Bord werfen sollte.

Warum stellen Sie bei Ihrem Angebot den Preis so stark in den Vordergrund?
Weil viele potentiell Kunstinteressierte nicht glauben, dass wunderschöne Kunst so preiswert sein kann. Und wir wünschen uns, dass afrikanische Gemälde jeden Haushalt bereichern sollten, und zwar zu einem günstigen Preis.

Ist denn auch mal eine Vernissage mit den afrikanischen Gemälden von MyAfricanPainting.de geplant? Ja, ist in Planung. Damit wollen wir genau den Kontrast aus dekorativer Gebrauchskunst und künstlerich anspruchsvollerer authentischer Kunst aufzeigen. So werden Besucher der Vernissage am konkreten Beispiel für sich entscheiden können, was zählt und wichtig ist: dekorative Gebrauchskunst oder eben doch authentische afrikanische Gemälde, die dann schon mal um den Faktor zehn teurer sein können.

Welches ist eigentlich Ihr Lieblingsbild aus dem aktuellen Angebot, und warum?
Wissen Sie, dass ist nicht leicht zusagen. Ich habe gleich eine ganze Reihe von Favoriten verschiedener Stilrichtungen. Exemplarisch möchte ich „Don’t Look Back“ nennen (siehe Abbildung nächste Seite). Es verbindet das typisch afrikanische Thema – Frau unterwegs mit schwerer Last – mit einer sehr dynamisch, geradezu avantgardistischen künstlerischen Umsetzung. Dieser Kontrast aus Tradition und neu gewonnener Dynamik steht für das heutige Afrika.

Frau Amoah, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führte Magnus Kron.

Quelle: Pressemitteilung der Firma Afripi, Jan 2009.
Mehr Infos: http://www.MyAfricanPainting.de

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