Henryk M. Broder bei Kerner: Obama ist eine “Coconut- außen schwarz und innen weiß”

Henryk M. Broder (2013) cc wikipedia

….mit sehr großer Bestürzung habe ich den letzten Teil Ihrer gestrigen Sendung (Anm. Sendung vom 6.11.2008) rund um die Wahl in den USA gesehen. So sagte doch einer Ihrer Gäste, Herr Henryk M. Broder: Obama sei kein echter schwarzer sondern eher eine “Coconut- außen schwarz und innen weiß”.

Sehr geehrter Herr Kerner, ich, selbst ein Afro-Deutscher mit US Hintergrund, habe schon viel gehört, gesehen und erlebt. Aber dass im Jahr 2008 in Ihrer Sendung über den President-elect jemand ungestraft sagen darf, er sei kein echter Schwarzer weckt in mir unglaubliche Wut. Was sind denn die schwarzen Eigenschaften, die Obama zu fehlen scheinen? Oder, was macht ihn denn zu einem innerlich Weißen? Der Fakt, dass wir es hier mit einem hochgebildeten Menschen zu tun haben, der sich natürlich auszudrücken und zu benehmen weiß? Oder der Fakt, dass der Mann eben nicht mit einer Schirmmütze mit lustiger Stimme redend auf der Bühne steht und seine Rede rappt? Oder ist es die Tatsache, dass er eine weiße Mutter hat?

Wenn Sie in den USA die Familien aller Afro-Amerikaner durchsuchen, treffen Sie immer auf Weiße im Stammbaum, sind diese Leute auch keine “echten” Schwarzen? Obama ist so “schwarz” wie alle anderen auch, da auch er sich immer und ständig mit Rassismus auseinandersetzen und gefallen lassen musste. Seien Sie sich sicher, dass die Rassisten keinen Halt machen davor, dass jemand eine hellere Haut hat. Damit umzugehen ist die große Kunst und braucht sehr viel Ruhe, Selbstsicherheit und Gelassenheit.

Deutschland ist das Land, in dem ich wg. meiner Hautfarbe nicht ohne Probleme getauft wurde, in bestimmte Stadtviertel meiner Heimatstadt Trier nicht fahren durfte, ohne dass Steine geflogen sind, in der ich schon in der Grundschule und im Kindergarten täglich mit Rassismus konfrontiert worden war. Bin ich auch ein COCONUT-Schwarzer, weil ich trotzdem nicht wütend durch die Straßen ziehe, sondern im feinen Boss Anzug meinem Manager-Beruf nachgehe, aktives Mitglied der Gesellschaft bin mit einem sozialen Umfeld gemischt aus allen Bevölkerungsgruppen und Schichten und mich auszudrücken weiß? Weil ich bei der Bundeswehr und 2x in Bosnien eingesetzt war und mit Orden ausgezeichnet worden bin? Also, weil ich integriert bin? Werde ich nun wegen meiner Integration auch noch verhöhnt?

Na dann steht unseren türkischstämmigen Mitbürgern noch einiges bevor. Denn sobald sich nicht mehr ausdrücken wie Erkan& Stefan, sind sie dann auch keine echten Türken mehr? Wie werden sie denn dann verhöhnt werden? Gott sei dank fehlt mir die Phantasie eine ähnliche Bezeichnung für einen integrierten Türken zu finden und diese Art von Ignoranz möchte ich auch nicht an den Tag legen.

Ich hoffe doch sehr, dass Sie zukünftig aufmerksamer und sensibler auf solche Äußerungen Ihrer Gäste reagieren und dieser Vorfall nur ein Ausrutscher war.

Hochachtungsvoll,

Maurice Hofmann

Afro-Deutscher

http://www.zdf.de/ZDFforum/ZDFde/inhalt/10/0,1872,5241482,00/cuf/F207/msg1858333.php

Zur TV Diskussionsrunde Obamas schweres Erbe (-> ZDF Mediathek Video) vom 6.11.2008 im ZDF. Die Sendung wurde von Johannes B. Kerner moderiert. Gäste waren Henryk M. Broder, Dieter Kronzucker, Wolf von Lojewski, Werner Sonne, Prof. Michael Zürn (Politiloge) und per Zuschaltung aus USA Claus Kleber.

Update: Frank-Walter Steinmeier war als Gast nicht dabei! Samy Deluxe hat sich in der Person vertan, ansonsten hatte er aber RECHT…das ganze war oberpeinlich…

 

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1 Comment

  1. ..man sollte vielleicht schwach verteidigend erwaehnen, dass anzunehmen ist, dass Broder den viel geaeusserten Vorwurf an die Juden im Hinterkopf hatte, zu sehr mit ihren Unterdrueckern praktiert zu haben, sowohl in den Jahren vor dem Holocaust als auch waehrend der Vernichtungsphase, der juedische Diskurs um diesen Vorwurf ist bis heute sehr praesent, es geht etwa darum, dass die deutschen, also ‘assimilierten’ Juden noch 1939 der Meinung waren, man solle sich mit den Nazis arrangieren, die Vorstellung, unter ‘jedem Gesetz’ leben zu koennen. Die Analogien sind vielleicht etwas schwach, aber es koennte die psychologische Situation erlaeutern, in der Broder den -sicherlich zweifelhaften- Vorwurf aeusserte.

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