Köln: Konzert der Sisters im Stadtgarten am 29.5.


In einer anderem Land wären sie vermutlich jetzt schon Super Stars: die Sister. Die Sisters, das sind u. a. Onejiru, Mamadee, Meli, Namusoke, Tamika und Nicole Hadfield, treten am 29. Mai in Köln im Stadtgarten auf.

WIE ALLES BEGANN

2001: Im Herbst schlossen sich hierzulande zahlreiche afrodeutsche Künstlerinnen zum ersten Mal zu einem gemeinsamen musikalischen Statement zusammen. Mit den zwei Songs, beide veröffentlicht auf dem Album „Lightkultur“ von den „Brothers Keepers“ (WEA), warfen die Frauen einen recht großen Hut in den Ring. Die damaligen Sisters Keepers haben sich inzwischen neu zusammengeschlossen und sich in „Sisters“ umbenannt.

ENERGIE!

Nun gibt es sowohl die Band „Sisters“ als auch den Verein „Sisters e.V.“, der sich in erster Linie politisch und sozial zu Themen wie Gender, Rassismus, Bildungs- und Umweltpolitik engagiert . So absolvierten die Sisters mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung mehrere Schultouren unter dem Titel „Afrodeutsch“ und diskutierten in vielen Schulen mit mehren Hundert Schülerinnen und Schülern. Sie engagieren sich bei Konzerten gegen rechte Gewalt ebenso wie im Rahmen von Podiumsdiskussionen (z.B. bei der Aktion Mensch und dem Weltjugendtag) und führen HipHop- und Gesangsworkshops durch. Vor kurzem haben die Ladies mit großem Erfolg auf Einladung des Goethe Instituts eine ausgedehnte Italien Tournee absolviert. Wo hat man zuletzt so viel Engagement gesehen? – für die SISTERS selbstverständlich. Das Klischee von Frauen, die sich gegenseitig behindern: ausgelacht und widerlegt.

FRISCH ANS WERK, 2008:

„Nothing has changed – we are living in a man’s world,“ sind die ersten Worte der ersten, überfälligen LP der Sisters. Selbst jene, die im Lauf der gut gemeinten Berichterstattung über das Wirkungsfeld der Sisters Bescheid wussten, werden von diesem Album überrascht sein. Der Titeltrack „Gender Riots“ bounct auf einem Top 40-verdächtigen Beat. Mit Afrobeat-Antrieb im Rücken sortieren die Sisters ein paar Meilensteine der Musikgeschichte auf dem eigenen Spielbrett an: „Ain’t no riot loud enough, ain’t no woman proud enough!“ Onejiru, Mamadee, Meli, Nicole Hadfield, Tamika, Noah Sow und Namusoke sind die SISTERS. Sie werden auf ihrem Debütalbum darüber hinaus von Angela Ordu, Tesirée Kaitesi, Sonia Singh und Lisa Cash unter stützt.

In einer anderen Republik wären die Sisters vermutlich jetzt schon Stars. „Für mich sind sie so was wie der Supertanker unter den Frauenbands“, bestätigt Matthias Arfmann (Jan Delay, Patrice, Turtle Bay Country Club), der die Aufgabe hatte, aus unzähligen Geschmäckern, diversen Styles, Erfahrungswelten und Arbeitsmodi ein Album zu generieren. Das klingt, wie Onejiru sich erinnert, zunächst kniffliger als es sich dann in der Praxis darstellte:

„Es war nicht schwierig, die unterschiedlichen Geschmäcker zu bündeln. Zunächst einmal weil jede Sister die Wahl hatte, den eigenen (Lieblings-) Produzenten oder sich selbst musikalisch einzubringen. Wir wollten unterschiedliche und auch interessante Persönlichkeiten zusammenbringen, die gemeinsam an einem Projekt und auch an einer gemeinsamen Band arbeiten. Während wir die letzten Jahren die Vereinsarbeit bei Sisters e.V. durchgeführt haben, haben wir immer wieder festgestellt, dass eines sehr gut ankommt: „Geballte Kraft von Frauen“. Der Plan war auch immer, Inhalte aus den verschiedenen Blickwinkeln der einzelnen beteiligten Frauen zu präsentieren. Jede hat den eigenen Text und somit die eigene Realität eingebracht. Umso schöner, dass sich nach jeder Aufnahmesession ein rundes Bild ergab. Andererseits gab es auch hier die Gelegenheit (endlich) auszuprobieren, was man in dem eigenen Soloprojekt nicht so machen würde: sprich den eigenen musikalischen Horizont zu erweitern. Matthias Arfmann hat dann schließlich aus den eingesendeten Rohsongs die herausgesucht, die einen „roten Faden“ für diese heißersehnte Platte ergaben.“

UND DAS IST ES, WAS DABEI HERAUSKAM:

  • Der Hit „Unite“, der als Aufforderung an alle Frauen und Mädchen in die (Bundesvision) Republik gerufen wurde, feiert Frauenpower und gemeinsames Unbequemsein.
  • Disco und R&B im En Vogue-Style – Frauen mit Würde, eine Hommage an die Wurzeln des popmusikalischen Girl Talk …Spaßfaktor inbegriffen…
  • Hip-Hop im Geiste der Heidelberger Old School – aufgeweckt und auf den Punkt.
  • Reggae der klingt, als hätten die I-Threes ihren Chef gefeuert.
  • Eine Soul-Ballade, die den anonymen Opfern des Patriarchats – sogenannten Nutten, sogenannten Junkies, sogenannten Alleinerziehenden – ihre Namen zurückgibt.
  • Ein zu Tränen rührendes Liebeslied an die eigene Mutter und den unbekannten Vater.
  • ..und natürlich den Bouncer :-(shout it loud out 🙂 „Gender Riots“, die erste offizielle Single des Albums.

GENDER RIOTS!

Harte, abwechslungsreiche Kost also, die zeigt, dass die Sisters keine Girl Group sind, sondern eine Supergroup erwachsener, eigenständiger Musikerinnen. Einige der Frauen haben bereits mit großem Erfolg musikalische Soloprojekte vorzuweisen, andere sind als Sängerinnen bei Top-Acts wie Gentleman und Jan Delay involviert oder haben Bücher geschrieben. „Letztendlich sind alle Bandleaderinnen und Komponistinnen,“ bestätigt Produzent Matthias Arfmann. „Alle haben die Fahrten im klapprigen Tourbus genauso wie Shows auf großen Bühnen schon erlebt. Selbstbewusste Frauen, keine willenlosen Kreaturen der TV-Sender.“

Und damit gibt er sich wohl selbst die Antwort auf die implizite Frage nach dem verdienten Erfolg und dem prophezeiten Gender Riot: Dieser findet in diesem Jahr(hundert) erst einmal nicht auf den Straßen Deutschlands, im passiven, stromlinienförmigen Vollplaybackland statt, sondern ganz wörtlich in diesen 48 Minuten.

Mehr Infos
http://www.myspace.com/sisterskeepers

Wann?
DO 29.05.2008
20:30 H

Wo?
Stadtgarten in Koln (Konzertsaal)
http://www.stadtgarten.de

Eintritt
13/16 €

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Eingesandt von / cc

Name: noah sow
Email: noah.sow@derbraunemob.de
Website:

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