Aachen: Zum Volkstrauertag Gedenken an 2.000 Schwarze Häftlinge der NS-Konzentrationslager


Termin: Aachen, 18.11.2007: In Aachen fand heute anläßlich des Volkstrauertags an den KZ-Gräbern auf dem Waldfriedhof eine Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere an Schwarze im KZ statt.

Veranstalter waren die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), unterstützt von der Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) – Frauen 60+.

Vor der Veranstaltung waren die 52 Gräber von Opfern nationalsozialistischer Gewaltherrschaft schön saubergemacht und mit Kerzen geschmückt worden. Es wurde ein Kranz zum Gedenken an die KZ-Opfer abgelegt.

In den Wortbeiträgen wurden nicht nur an die ca. 2000 schwarzen Menschen erinnert, die in deutschen KZ´s umgekommen sind, sondern auch exemplarisch auf die Biografien mehrere schwarzer Deutscher eingegangen, die die Nazizeit auf unterschiedliche Weise überlebt hatten.

U.a. wurde an die Musikerin Fasia Jansen erinnert und aus der Autobiografie von Hans-Jürgen Massaquoi vorgelesen.

Fasia Jansen mußte als junge Frau unter fürchterlichen Bedingungen Verpflegung an Frauen im KZ Neuengamme austeilen, weil es angeblich keiner deutschen Familie zuzumuten sei, daß sie dort das damals übliche Pflichtjahr für Mädchen ableisten dürfe.

Hans-Jürgen Massaquoi wurde zwar nicht verfolgt, aber schmerzhaft ausgegrenzt. Seiner Mutter und ihm wurde von einem HJ-Führer sehr deutlich gesagt, daß für Menschen wie ihn nicht nur im Jungvolk, sondern in dem Deutschland das sie – die Nazis – aufbauten „kein Platz“ mehr sei. Einer seiner Lehrer drohte: „Wenn wir mit den Juden fertig sind, seid Ihr dran.“

Ein weiterer Beitrag erinnert an einen jungen schwarzen Deutschen, der im KZ Buchenwald nur mit der Hilfe anderer Häftlinge, v.a. Kommunisten, überleben könnte.

Es wurden auch Beziehungen zur heutigen Zeit dargestellt.

Es wurde eine Erklärung der Brothers Keeper vorgelesen, die sich gegen die Vermarktung des N-Worts und die damit verbundenen negativen Stereotypen durch das Label Aggro Berlin wendet.

Hauptrednerin war Marie-Theres Aden, Leiterin des Anti-Diskiminierungsbüros Aachen. Sie wies darauf hin, daß die Geschichte der schwarzen Einwanderer in Deutschland, die schon seit ca. 100 Jahren andauert, in Deutschland kaum bekannt sei und daß in Deutschland die Vorstellung vorherrsche, schwarze Menschen hielten sich nur vorübergehend in Deutschland auf und könnten keine Deutschen sein. Das Bild von Schwarzen sei in Deutschland auch größtenteils von negativen Stereotypen (Drogenhändler, Asylant) geprägt, bestenfalls wird dem Schwarzen noch eine Existenz als Künstler (Musiker, Tänzer) zugestanden, als normale Mitbürger würden sie vielfach nicht wahrgenommen. Im Bildungswesen seien schwarze Kinder wie Migrantenkinder im Allgemeinen oft benachteiligt. Zum Abschluß der Veranstaltung wurden die Moorsoldaten gesungen.

Ergänzungen dieses Berichts und weitere Berichte sind ausdrücklich erwünscht.

Quelle: extern

Infos zu weiteren schwarzen Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus:

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