Die schwarze Drehbuch-Autorin Philippa Ebéné fordert eine Quote für Minderheiten im Fernsehen – vor und hinter der Kamera: Ebéné ist Drehbuchautorin und Kuratorin der Berliner Kino-Filmreihe „African reflections -female directors in cinema“. Und wenn sie „wir“ sagt, meint sie Angehörige ethnisch-kultureller Minderheiten, in Deutschland.

Sie fordert nun eine Quote für Hauptdarsteller, Drehbuchautoren und Regisseure mit Migrationshintergrund und anderer Angehöriger sichtbarer Minderheiten. „Ich bin dafür, dass die Sender dazu verpflichtet werden. Denn man fragt sich doch, warum sich deutsche Redakteure dafür entscheiden, dass ihre Sendungen ‚arischer‘ sein müssen als die Wirklichkeit.“ „Wie kann es sein, dass eine Sendung hundertprozentig weiß ist?“ Sie sagt: „Wir kommen einfach so gut wie nicht vor. Und ich unterstelle, dass das nicht absichtslos und damit harmlos ist.“

Sie sagt, sie kenne „keine afrodeutsche Heldenfigur, die selbstverständlich in Erscheinung tritt. Schwarze Figuren müssen scheinbar als schwarz markiert werden, um überhaupt vorkommen zu dürfen.“ Mit

a) „schwarzen Kleinkriminellen oder
b) Opfern von Rassismus,
c) Beschneidung oder c) Hunger“

fühle man sich offenbar wohler „als mit handlungsaktiven schwarzen Heldinnen und Helden“.

Filmemacherin Winta Yohannes, Mitglied des Vereins „Schwarze Filmschaffende in Deutschland“, sagt: „Die schwarzen Statisten“, etwa in romantischen Afrika-Kitsch-Filmen, „sind nur Kulisse für die Heldengeschichten der Weißen“.

Und Drehbuchautorin Anne Benza-Madingou, die fordert, dass in den Sendern Ansprechpartner mit Milieukompetenz sitzen müssten, ergänzt: „Mal drüber nachgedacht, dass auch jemand wie ‚Der Landarzt‘ eine andere Hautfarbe als Weiß haben könnte?“

Philippa Ebéné berichtet, eine afrodeutsche Autorin habe ein Drehbuch ändern müssen, weil die Hauptfigur schwarz gewesen sei – in Deutschland müsse eine Heldin aber weiß sein. „In England passiert so etwas nicht“, sagt sie. „Da weiß jeder: Wenn man fordert, eine schwarze Figur weiß zu machen, wird man verklagt. Ein anständiger englischer Rassist weiß, dass er einer ist. Ein deutscher kriegt das gar nicht mit.“

„Ich behaupte“, sagt sie, „dass dieser Blick ein kolonialer Blick ist und dass er sich nur dadurch ändert, dass man den Leuten, die sich auskennen, ein bisschen mehr Platz einräumt.“ Und Anne Benza-Madingou sagt, es gehe um die Darstellung des Selbstverständlichen. Minderheiten seien Teil des deutschen Alltags. Sie fragt: „Was ist so schwer daran, das abzubilden?“

Den vollständigen Artikel finden Sie in der TAZ unter TAZ

Weitere Links:
Schwarze Filmschaffende in Deutschland http://www.sfd-net.com

Advertisements